Die Bargelddiskussion

Da staunten viele nicht schlecht, als kürzlich Bundeswirtschaftsministerin Zypries in einer Pressemitteilung erklären musste, dass man auch in Zukunft am Bargeldsystem festhalten werde. Es ist ja durchaus bekannt, dass die Abschaffung von Bargeld immer wieder von manchen Ökonomen als „fixe Idee“ gefordert wird.

Ehrlich gesagt war allerdings vielen nicht bewusst, dass die Diskussion um unser Bargeld bereits soweit fortgeschritten ist, dass sich die Bundeswirtschaftsministerin Zypries in einer offiziellen Stellungahme genötigt sah, mittels eines Gutachtens ein „Prä“ für unser Bargeldsystem auszusprechen. Erstaunlich ist es schon, dass sogar der IWF so etwas ubiquitäres und selbstverständliches wie unser Bargeldsystem ernsthaft in Abrede stellt. Spätestens jetzt sollte man sich diesem Thema näher widmen und es lohnt sich die Sachlage in Augenschein zu nehmen.
Vorgeschoben werden bei der Bargelddiskussion immer wieder Argumente zur Schwarzgeldbekämpfung oder zur Eindämmung der Kriminalität. Das scheint aber nur ein Teil der Wahrheit zu sein. Vielmehr hat man Angst, dass finanzpolitische Instrumente wie z.B. Negativzinsen ihre Wirkung verfehlen, da die Sparer das Geld von den Banken abziehen könnten. Ist es denn dem Sparer zu verdenken, sein Geld wieder in den altbewährten Sparstrumpf zu stecken, bevor - wie bereits von einigen Banken exerziert – er dafür sogar noch Zahlen soll? In den gleichen Instrumentenkasten passen Überlegungen der EU-Kommission Bargeldzahlungen künftig pro Transaktion zu begrenzen. In manchen EU-Ländern gibt es diese Obergrenzen schon. In Frankreich sind z.B. Bargeldgeschäfte über 1.000 € untersagt, in anderen Ländern sind es 3.000 €. Das Ende der 500 Euroscheine ab dem Jahr 2018 passt dabei in das gleiche Bild. Studien zeigen aber, dass diese Bargeldgrenzen wirkungslos sind und die Schattenwirtschaft kaum bekämpfen können. Vielmehr verleihen Sie, sozusagen als Nebeneffekt, der Europäischen Zentralbank und seiner Finanzpolitik eine große Machtfunktion.
Die derzeit andauernde und wohl mittel- bis langfristig anhaltende Niedrigzinspolitik in Kombination mit der Bargelddiskussion kommt vielmehr einem enteignungsgleichen Tatbestand gleich. Künftig könnte man also nach Vorstellung von manchen führenden EU-Zentralbankmanagern gezwungen sein, seine Gelder auf Konten mit Strafzinsen zu halten und hätte dazu keine wirksame Bargeldoption mehr. Zügiger Konsum oder Reinvestitionen wären die Wirkung daraus, bevor Strafzahlungen fällig werden, was eine Steigerung der Umschlagshäufigkeit von Sichteinlagen zur Konsequenz hätte, was volkswirtschaftlich nachvollziehbar eine Wirtschaftsbelebung aber auch eine steigende Inflation zur Folge hätte.
Nicht das Bargeld, sondern vielmehr die anhaltende Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank mit negativen Zinsen gefährdet auf Dauer die Finanzstabilität in sich und bewirkt eine Fehlallokation der liquiden Mittel. Damit nicht genug, alleine der Niedrigzinskurs der EZB hat der deutschen Volkswirtschaft nach Schätzungen der DZ-Bank ohnehin schon viel gekostet. Die entgangenen Zinsen der deutschen Sparer i.H.v 343 Milliarden Euro können den Nutzen der niedrigen Zinsen in Höhe von 144 Milliarden Euro bei weitem nicht ausgleicht.
Ob Sie nun zu den Profiteuren oder zu den Verlierern der derzeitigen Niedrigzinspolitik gehören, ein Festhalten am derzeitigen Bargeldsystem sollte die Wirtschaft nicht in Frage stellen.


Ein Gastkommentar von
Dr. Josef Rampl
Geschäftsführer des Bayrischen Müllerbundes e.V.

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